Mittwoch, 28. Dezember 2011

Becoming teachable

In the long history of spirituality, those recognized as somehow spiritually „great“ have consistently been called „Teacher“ – they help others to learn, to become teachable. Spiritual teachers (who are never „experts“) do three things: First and foremost, they listen. Second, they ask questions. Third, they tell stories. Each practice reflects the acceptance of not having all the answers, and each teaches the essential truth of spituality's open-endedness.

Ernest Kurtz & Katherine Ketcham
The Spirituality of Imperfection

Sonntag, 25. Dezember 2011

Couch Fiction

Dieser Comic von Philippa Perry und Junko Graat erläutert wie eine Psychotherapie funktioniert; er tut dies auf amüsante, lehrreiche und überzeugende Art und Weise. "Ich habe Inhalte aus den Träumen tatsächlich existierender Personen mit deren Erlaubnis verwendet, aber abgesehen davon ist diese Geschichte frei erfunden". Trotzdem ist es "ein typisches Beispiel für eine psychotherapeutische Fallstudie". Die meisten Bilder werden ergänzt durch informative Fussnoten und so recht eigentlich lohnen schon diese allein die Lektüre.

Ein Beispiel:
"Für viele Menschen ist die Therapie der allerletzte Ausweg. Die meisten haben schon einiges ausprobiert, um sich zu ändern oder besser zu fühlen, wenn sie therapeutische Hilfe suchen. Pat möchte nichts versuchen, was James bereits versucht hat, deshalb fragt sie in dieser Richtung nach.*

Und gerade noch eins:
"Es hat keinen Zweck, dem Klienten gegenüber zu betonen, dass die Beziehung zwischen Klient und Therapeut der wichtigste Faktor in einer erfolgreichen Psychotherapie ist. Das klingt, ehrlich gesagt, beunruhigend. Entweder stellt sich diese Tatsache im Laufe der Zeit heraus, oder die Therapie läuft ohnehin aus dem Ruder."

"Couch Fiction" ist ein im besten Sinne aufklärerisches Buch. Weil es auf einfache und überzeugende Art Fragen beantwortet. Etwa warum eigentlich die meisten Therapeuten nach der Kindheit fragen. Oder wozu eigentlich die Nutzung von Träumen in der Psychotherapie gut sein soll. Oder warum es sinnvoll ist, wenn einem Süchtigen die Vor- und Nachteile seiner Sucht bewusst sind.

Das Medium des Comics zu verwenden, um in die Psychotherapie einzuführen, ist so recht eigentlich ein genialer Schachzug, denn in den Sprechblasen lässt sich sehr gut zeigen, was bei der Begegnung von Therapeut und Klient gesagt und was "nur" gedacht wird.

Der Comic wird ergänzt durch ein Nachwort von Andrew Samuels von der University of Essex, der unter anderem festhält: "Trotz aller Forschungsergebnisse herrscht kein Konsens darüber, welches die entscheidenden Katalysatoren eines therapeutischen Wandels sind." Vorausgesetzt ein solcher findet überhaupt statt, ist man da versucht hinzuzufügen.

Philippa Perry / Junko Graat
Couch Fiction
Verlag Antje Kunstmann, München 2011

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Alk

Ein gut geschriebenes, informatives und witziges Buch, bei dem ich ab und zu Tränen gelacht habe. Zum Beispiel bei diesem Abschnitt hier:

„Szene: Entgiftungsstation, Sitzungszimmer. Alle Patienten zusammengetrommelt, Auftritt dreier Abgeordneter einer Shg. (Selbsthilfegruppe). Das Dreigestirn bestand aus einer Frau und zwei Männern, von denen einer original aussah wie Spencer Tracy. Die Frau stellte sich vor als seit 16 Jahren trocken, sah dafür aber einen Hauch zu verquollen aus und hatte – wie später die Patienten aus der ersten Reihe berichteten – eine Fahne. Spencer Tracy sprach geordnet, appellierte an alle, unbedingt eine Shg zu besuchen, egal welche, Hauptsache Shg, obwohl er, Spencer, schon seit Jahren nicht mehr hingehe, aber es helfe enorm weiter. Danach erzählte er, wie das Verhältnis zu seiner Geschiedenen so läuft; man sei noch weiterhin befreundet, aber eigentlich melde sie sich nur noch bei ihm, wenn sie Geld brauche. Der Dritte ergriff das Wort und schilderte seinen Werdegang. Das heisst: vermutlich war es sein Werdegang. Denn dem Dialekt nach stammte er aus einem bisher unerforschten Teil der Eifel und war definitiv nicht zu verstehen bis auf die Brocken 'Führerschein' und 'Führerschein weg'.
Nach zwei Stunden torkelten wir zurück auf die Station. Manche waren empört über das Trio, andere für die sofortige Verleihung eines Kleinkunst-Preises.“

Simon Borowiak ist ein durch Erfahrung Gestählter, er weiss, wovon er schreibt – und genau deshalb lohnt sich die Lektüre. Und weil er schreiben kann. Und gute Vorschläge macht. So mag er zum Beispiel das Wort „Krankheitseinsicht“ nicht. Stattdessen plädiert er für „ALK-Bewusstsein.“ Der Unterschied? Bei „Krankheitseinsicht“ assoziiert er „ins Direx-Zimmer gerufen werden, Geständnis mit hängendem Kopf und Brief an die Eltern“. Und: „Auch durfte ich in Therapien erleben, wie kurzfristig entgleiste Hobby-Trinker so lange mit diesem Schlagstock traktiert wurden, bis sie mit gebrochener Stimme zugaben Alkoholiker zu sein (Was sie – wie die Zeit zeigte – gar nicht waren)“. Bei „ALK-Bewusstsein“ denkt er hingegen an Worte wie positiv, aktiv, selbstbestimmt und Entwicklung.

À propos ALK-Bewusstsein, unter diesem Titel hält Borowiak fest: „Ich habe nie davon gehört, dass jemand eine Zahnarztpraxis verlassen und – vor Schmerzen zusammengerollt wie ein saurer Hering – gerufen hätte: 'Der Arzt spinnt! Ich hab doch niemals eine Wurzelentzündung!'“ Besser kann man gar nicht illustrieren, worin ein Grundproblem der Alkoholsucht liegt, der Verleugnung.

Wer gegen seinen Alkoholismus angehen will, dem stehen keine Patentrezepte zur Verfügung. Das dürfte mittlerweile bekannt sein. In Borowiaks Worten: „Die erfolgreiche Behandlung ist russisches Roulette ...“ Das kommt der Wahrheit (wenn es sie denn geben sollte) ziemlich nahe.

In „Alk“ werden übrigens auch vielfältige Begriffe geklärt. Zum Beispiel „Komorbidiät“. Das meint: „Was war früher da – Ei oder Henne? Depression oder Sucht?“ Oder anders gefragt: Was ist die Hauptmeise und was die Kollateral-Meise? Manche Therapeuten glauben offenbar, solches unterscheiden zu können ...

Fazit: ein vergnügliches und lehrreiches Buch.

Simon Borowiak
Alk
Fast ein medizinisches Sachbuch
Wilhelm Heyne Verlag, München 2007

Sonntag, 18. Dezember 2011

Denken im Freien

So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung, in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern.

Friedrich Nietzsche

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Filho

Filho é um ser que nos foi emprestado para um curso intensivo de como amar alguém além de nós mesmos, de como mudar nossos piores defeitos para darmos os melhores exemplos e de aprendermo...

José Saramago

Sonntag, 11. Dezember 2011

Die Buddha-Therapie

"Dieses Buch wendet sich an alle, die einen Punkt erreicht haben, an dem sie sich sagen: Es reicht!" Mit diesem Satz leitet Chönyi Taylor ihre Buddha-Therapie ein. Es ist ein guter, ein wichtiger Satz. Bei den Anonymen Alkoholikern heisst es, dass man seinen persönlichen Tiefpunkt erreicht haben muss, bevor an eine Verhaltensänderung zu denken ist. Gemeint ist dasselbe. Ohne dass ein Süchtiger diesen Punkt erreicht hat, gibt es keine Veränderung.

"Jede Form der Sucht ist im Grunde nichts anderes als die verzweifelte Suche nach Glück, ein Versuch, die unangenehmen, deprimierenden oder schmerzlichen Aspekte des Lebens auszublenden." Das leuchtet zwar ein, doch es legt fälschlicherweise den Verdacht nahe, Sucht komme vom Suchen. Richtig ist, dass Sucht von siech=krank kommt.

Der Ursprung der Sucht wie auch der Befreiung davon liege in unserer Art zu denken, schreibt Chönyi Taylor, der Körper sei dafür nicht verantwortlich. Ich sehe das nicht so, in meiner Sicht hat Sucht sowohl geistige, körperliche wie auch seelische Ursachen. Im Übrigen widerspricht sich Taylor selber. So schreibt sie: "Neurologische Studien zum Verlangensimpuls zeigen, dass er eine neuro-anatomische Basis hat."

Drei Meditationstechniken schlägt die Autorin vor, um die zwanghaften Muster unseres Geistes umzuwandeln: Achtsamkeit, Selbstbeobachtung und Gleichmut. Das Ziel dabei ist, frei von schädlichen Impulshandlungen zu werden.

"Ich habe mich für den buddhistischen Handlungsansatz entschieden, da der Buddhismus die Problematik der Begierden, die durch Anhaftung entstehen, betont, was im Buddhismus als "Verlangen" oder "Greifen" bezeichnet wird", schreibt die Autorin. Trotz der etwas hölzernen Ausdrucksweise – ich habe viel Sympathie für diesen Ansatz. Umso mehr, da niemand wirklich sagen kann, welche Suchttherapie (wenn überhaupt eine) eigentlich hilfreich ist – beweisen lässt sich die Effizienz einer Therapie jedenfalls nicht.

Um von der Sucht loszukommen, brauchen wir ein neues Wertesystem: "In dem Moment, in dem wir bewusst die Hand ausstrecken, um uns helfen zu lassen oder anderen zu helfen, ist unser Wertesystem ein anderes geworden."

Die für mich tollsten Anregungen habe ich unter dem Titel "Ein paar Goldkörnchen aus dem Schatz der Weisen" gefunden. Hier zwei Beispiele:

"Wenn du durch die Hölle gehen musst, bleib nicht stehen" (Winston Churchill)

"Betrachte das Ego als das, was es ist: Eine Geschichte, die du dir über dich selbst ausgedacht hast."

Und noch toller fand ich, dass Chönyi Taylor den Goldkörnchen der Weisen diese Sätze folgen lässt: "Vielleicht erschreckt Sie ja die Kluft, die man unweigerlich feststellt, wenn man sich mit den Weisen dieser Welt vergleicht. Doch keine Sorge: Weisheit ist die Frucht erfolgreicher Bewältigung unserer Probleme. Weisheit entwickeln wir nicht dadurch, dass wir viele Bücher lesen, sondern indem wir uns auf das Leben mit all seinen Schwierigkeiten einlassen. Wir entwickeln Weisheit, indem wir uns aus dem Dickicht unserer Probleme mit ebenso viel Mut wie Bescheidenheit – Qualitäten, die wir durch Aufrichtigkeit und Gleichmut erlangen – befreien."

"Die Buddha-Therapie" ist ein sympathisches und hilfreiches Buch.

Chönyi Taylor
Die Buddha-Therapie
Süchte mental besiegen
Diederichs, München 2011

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Vom Sich Häuten

In all diesen Jahren habe ich mich oft gehäutet und immer wieder Teile von mir zurückgelassen, die überlebt waren. Manchmal fühlte es sich so an, als blieben mir nicht mehr als die Kleider, die ich gerade am Leibe trug.

Bernard Glassman

Sonntag, 4. Dezember 2011

Grappa sei Dank

"Er meint, im Gegensatz zu allen anderen hätten Sie, wie sagt man, den Mumm, zu sagen, was Sie denken."
"Klar, dank seines Grappa."

Joe McGinniss
Das Wunder von Castel di Sangro

Mittwoch, 30. November 2011

Misuse & Abuse

Another dry month went by, and by now my mind was teeming with ideas and projects. I realized that for years I'd been squeezing my talent out of a toothpaste tube. I'd misused it and abused it and failed to replenish it with deep reading and full consciousness. I began to listen to music again. To Erroll Garner and Ben Webster. To Ray Charles and rock and roll. I was greedy for what I had missed.

Pete Hamill: A Drinking Life

Sonntag, 27. November 2011

On Willingness

Before very long we began to relate some incidents of our drinking, and, naturally, pretty soon, I realized both of them knew what they were talking about because you can see things and smell things when you're drunk, that you can't other times, and, if I had thought they didn't know what they were talking about, I wouldn't have been willing to talk to them at all.“

Bill D., AA-member number three
in: Ernest Kurtz: Not-God. A History of Alcoholics Anonymous

Mittwoch, 23. November 2011

Hoffnungen versus Erwartungen

Eine Atmosphäre von Frieden und Unbeschwertheit lag über dem Ort und seinen Einwohnern. Niemand hier hegte grosse Erwartungen: weder was die Fussballmannschaft noch was das eigene Leben betraf. Hoffnungen ja, doch keine Erwartungen. Und so konnte es auch keine Enttäuschungen geben. Höflichkeit, Einfühlungsvermögen und sogar Nächstenliebe fallen einem viel leichter, wenn man nicht permanent darüber brütet, dass das Leben einen gerade wieder um die grosse Chance betrogen hat, die einem eigentlich zugestanden hätte.

Joe McGinniss
Das Wunder von Castel di Sangro

Sonntag, 20. November 2011

Anweisungen für den Koch

Es gibt Bücher, die will man, kaum hat man ein paar wenige Seiten gelesen, unverzüglich weiterempfehlen. Dazu gehört Bernard Glassmans Anweisungen für den Koch. Weil man da so wunderbar nützliche Sätze findet wie etwa diesen: „Der wahre Zen-Koch benutzt, was vorhanden ist, und macht das Bestmögliche daraus, statt sich darüber zu beklagen, was er alles nicht hat, oder dies als Entschuldigung dafür anzuführen, dass das Resultat seiner Bemühungen so kläglich ausgefallen ist.“ Hinzuzufügen wäre höchstens, dass man dafür so recht eigentlich nicht unbedingt ein Zen-Koch zu sein braucht – jeder gute Koch tut das.

Nothing special“ hat Charlotte Joko Beck eines ihrer Bücher über Zen genannt. Das gilt auch für die „Anweisungen für den Koch“. Eigenartigerweise macht genau dieses „nothing special“ diese Anweisungen speziell – weil wir nämlich immer nach dem Aussergewöhnlichen suchen und wer sucht, der macht, so Krishnamurti, bestenfalls einen Schaufensterbummel ...

Dass sich der Autor dabei besonders gut auszudrücken weiss (oder liegt es an der Übersetzung?), kann man allerdings nicht sagen:
Ich wollte mein Verständnis von Zen als Leben darzulegen („darlegen“, sollte das wohl heissen), so wie es auch mein Lehrer Maezumi Roshi immer gelehrt hatte, ein Leben, bei dem wir zu allen Zeiten aufgerufen sind, voll zu leben, und unsere Praxis darin besteht, das Glas, das immer wieder schmutzig wird, zu putzen, statt es nicht zu benutzen, und in dem wir unsere Klarheit von der Einheit des Lebens durch unser tägliches Handeln manifestieren.“

Wesentlich besser drückt er es hier aus: „Der Vorgang des Reinigens verändert den Koch ebenso wie die Räume, die gereinigt werden, und die Menschen, die in diese Räume kommen – das gilt für eine Meditationshalle wie für ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Büro. Deshalb spielen in Zen-Klöstern Reinigungsarbeiten eine so wichtige Rolle. Dabei ist unwichtig, ob etwas unserer Meinung nach schmutzig oder sauber ist. Wir reinigen einfach alles.“ Der Grund: wer die Küche reinigt, reinigt den Geist.

Die „Anweisungen für den Koch“ postulieren, sich auf die Realität, auf das Hier und Jetzt, einzulassen. Und dazu finden sich in diesem Buch, ausgehend von dem zentralen Prinzip, dass alles miteinander verbunden ist und nichts völlig unabhängig existiert, viele praktische Anregungen. Wie man mit der Bürokratie umgehen soll, zum Beispiel. Oder wie wir durch Angst lernen können. Keine abgehobene Esoterik also, sondern am Realen ausgerichtete praktische Lebenshilfe. „Es ist ungeheuer wichtig, dass wir aus dem spirituellen Bereich immer wieder in die gewöhnliche Welt zurückkehren und darin arbeiten.“ Und das tut man, indem man sich mit den Details beschäftigt, von denen Maezumi Roshi einmal gesagt hat: „Es gibt nichts anderes als Details.“ Ein andermal hat er es so formuliert: „Kleinigkeiten sind nicht klein.“

Wesentlich ist: „Warte nicht, bis du erleuchtet bist.“ Und dies meint: Nicht der Experte ist gefragt im Zen, sondern der Anfänger, denn nur der, der noch nicht allzuviel weiss beziehungsweise viel Wissen angehäuft hat, ist fähig, die Dinge zu sehen, wie sie sind.

Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass wir irgendwann einmal keine Probleme haben werden. Erst wenn uns dies gelungen ist, können wir uns mit den wirklich wichtigen Fragen unseres Lebens beschäftigen.“

Was einem dieses Buches unter anderem auch klar macht, ist, dass Zen, wie es Glassman versteht, „sich in vielem an der amerikanischen katholischen Arbeiterbewegung“ orientiert und damit ganz wesentlich soziale Praxis ist. Und die ist schwierig: „Ein Zen-Schüler, der Reiche ablehnt, leidet unter dem gleichen Problem wie ein Reicher, der den Zen-Schüler ablehnt“, behauptet Glassman. Wirklich? Wer bereit ist, sich mit solchen Argumenten auseinanderzusetzen, ist mit diesem Buch bestens bedient.

Summa summarum: eine bereichernde und hilfreiche Lektüre.

Bernard Glassman
Anweisungen für den Koch
Lebensentwurf eines Zen-Meisters
edition steinrich, Berlin 2010

Mittwoch, 16. November 2011

What we see & What we feel

When you meet someone, there are at least two things more prominent in your mind than in theirs – your thoughts, and their face. As a result we tend to judge others on what we see, and ourselves by what we feel.

Ian Leslie

Sonntag, 13. November 2011

Una vida doble

Más que la mayoría de las personas, el alcohólico lleva una vida doble. Tiene mucho de actor. Ante el mundo exterior, representa su papel de actor. Este es el único que le gusta que vean sus semejantes. Quiere gozar de cierta reputación pero sabe en los más íntimo de su ser que no se la merece.
La inconsistencia es agrandada por las cosas que hace durante sus borracheras. Al volver en sí se siente asqueado por algunos episodios que recuerda vagamente. Estos recuerdos son una pesadilla. Tiembla al pensar que alguien los pudo haber presenciado. Hasta donde puede, guarda estos recuerdos en lo más profundo de su ser. Tiene esperanzas de que no salgan a relucir nunca. Está constantemente en un estado de temor y de tensión – el cual hace que beba más.

En Acción
Alcohólicos Anónimos

Mittwoch, 9. November 2011

Alcoholic Grandiosity

... a foundation was being laid for the discovery and awareness that the First Cause of an alcoholic's difficulties – drunk or sober – was an appropriately unique specification of the „self-centeredness“ that lay at the „root of our troubles.“ It was what Wilson and the years would call „alcoholic grandiosity.“

Ernest Kurtz
Not-God: A History of Alcoholics Anonymous

Sonntag, 6. November 2011

La primera copa

El hecho es que la mayoría de los alcohólicos, por razones que todavía son oscuras, cuando se trata de beber, han perdido su capacidad para elegir. Nuestra llamada fuerza de voluntad se vuelve práticamente inexistente. Somos incapaces a veces de hacer llegar con suficiente impacto a nuestra conciencia el recuerdo del sufrimiento y la humiliación de apenas un mes antes. Estamos indefensos contra la primera copa.

Hay una Solución
Alcohólicos Anónymos

Mittwoch, 2. November 2011

Es geht ums Tun

Buchtitel sind häufig irreführend, so auch dieser. Denn wer sich, wie der Klappentext behauptet, eine „leidenschaftliche Anstiftung, sich einzumischen, der nie der Humor oder die Bodenhaftung abhandenkommt“ erwartet, wird einigermassen verblüfft sein, dass er hier die meiste Zeit etwas ganz anderes vorgesetzt bekommt. Zuallererst eine Einführung von Christa Spannbauer, die darin ihrer Bewunderung für den tollen Konstantin Wecker und den tollen Bernard Glassman Ausdruck gibt. Auch die vielen übers ganze Buch verstreuten Fotos der beiden legt eher den Eindruck von Heldenverehrung nahe (obwohl doch Glassman diese, neben einer ganzseitigen Aufnahme von ihm!, explizit ablehnt) – und steht damit dem Stadium, „in dem wir weniger von unseren egozentrischen Gefühlen dominiert werden, sondern in dem es uns bewusst wird, dass wir mit der ganzen Welt verbunden sind“ so recht eigentlich diametral entgegen. Dann erzählt Konstantin Wecker aus seinem Leben. Er hat vielerlei Hilfreiches zu sagen, doch mit dem Motto „Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“ hat das alles wenig bis gar nichts zu tun.

Wecker zeigt sich von „den friedlichen Revolutionen“ in Berlin und Kairo „elektrisiert“ und nimmt es als Beweis, „dass Widerstand erfolgreich ist“. Damit hat er zweifellos recht, doch die Frage ist, ob das, was sich jetzt in Nordafrika anzubahnen scheint (ein Sieg der Islamisten bei den ersten Wahlen in Tunesien; die Einführung der Scharia durch den Übergangsrat in Libyen) eigentlich unterstützenswert ist. Ich finde nicht.

Konstantin Wecker ist ein belesener Mann, er zitiert Bedenkenswertes zuhauf:
„Als Künstler hat man quasi die Verpflichtung, Anarchist zu sein. Es gibt gar keine andere Möglichkeit.“ (Henry Miller).
„Im Anfängergeist gibt es viele Möglichkeiten, im Geist des Experten nur wenige.“ (Suzuki Roshi).
„Religiös sind Menschen, die Angst vor der Hölle haben. Spirituell sind Menschen, die durch die Hölle gegangen sind.“ (ein Obdachloser).
„Der Mystiker Meister Eckhart sprach davon, dass 'Gott nur auf einer leeren Tafel schreiben könne'“.

So recht eigentlich lohnt sich die Lektüre dieses Bandes schon allein der hilfreichen Zitate wegen. Aber auch wegen Texten wie „Empört Euch“ (auf Seiten 54-56). Und auch weil Wecker und Glassman nicht theoretisch, sondern auf sich selber bezugnehmend argumentieren.

Bernard Glassman, ein ausgebildeter Luftfahrt- und Weltraumingenieur, hatte so eine Art Erweckungserlebnis, als er einmal nach einer Meditation nach dem Sinn der Gehmeditation fragte und von dem jungen Mönch Taizan Maezumi, der später sein Lehrer wurde, die Antwort erhielt: „Wenn wir gehen, dann gehen wir einfach.“ In der Folge praktiziert er obsessiv Zazen („Ich wurde daraufhin zu einem regelrechten Fanatiker im Zendo ...“), kündigt seinen Job und widmet sich voll und ganz dem zu dieser Zeit (1972) boomenden Zen. „Wir kauften Wohnungen, um die vielen Menschen, die zu uns kamen, unterbringen zu können, und erwarben Land für ein Bergkloster südlich von Los Angeles.“ Woher das Geld kam, erfährt man nicht.

Er gründet das Zen-Zentrum Greyston in New York. Auch diesmal erfährt man nicht, mit welchem Geld dies geschah. Dann folgten die Greyston-Bäckerei, das Greyston Family Inn, eine Organisation, „um Wohnungen für obdachlose Familien zu bauen und deren Existenz zu sichern“ und die Zen-Peacemaker, ein weltweites interreligiöses Netzwerk, das zu einer Vielzahl sozialer Projekte und Aktivitäten führte („u.a. Gemeinschaftsprojekte zwischen Israelis und Palästinensern, Suppenküchen in Paris, Unterstützungsangebote für Immigranten oder Gesundheitsfürsorge für Menschen mit Aids“).

Worum geht es im Zen? „Einsicht in die Einheit allen Seins und damit von der Verbundenheit des Lebens zu erhalten.“ Für Bernard Glassman ergibt sich daraus, dass man etwas tun, dass man handeln muss. Wenn ihn jemand fragt, was man denn eigentlich tun soll, dann fragt er zurück: „Was ist das Beste, was du jetzt tun kannst?“

Fazit: ein lesenswertes und auf vielfältige Weise anregendes Buch.

PS: Einer der Glassman-Sätze hat es mir ganz besonders angetan: „Für mich ist es eigentlich bereits Zauberei, dass wir unseren Arm bewegen können.“

Konstantin Wecker / Bernard Glassman
Es geht ums Tun und nicht ums Siegen
Koesel Verlag, München 2011
www.koesel.de

Sonntag, 30. Oktober 2011

The Right Road

There is only one way to get full satisfaction from life and that is to live you believe God wants you to live. Live with God in that secret place of the spirit and you will have a feeling of being on the right road.

Twenty-Four Hours a Day

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Telling One's Own Story

Wilson told hopelessness rather than preached conversion, and he told by using his own story, his own experience, the literal facts of his own life, rather than by offering abstract theory or even scientific facts.

Ernest Kurtz
Not-God: A History of Alcoholics Anonymous

Sonntag, 23. Oktober 2011

The Spirituality of Imperfection

Spirituality has to do with the reality of the here and now, with living humanly as one is, with the very real, very agonizing, „passions of the soul.“ Spirituality involves learning how to live with imperfection.

Ernest Kurtz & Katherine Ketcham
The Spirituality of Imperfection

Mittwoch, 19. Oktober 2011

On Doing

A wrongdoer is often a man that has left something undone, not always he that has done something.

Marcus Aurelius

Sonntag, 16. Oktober 2011

The right way

You seem to take out of life about what you put into it. If you disobey the laws of nature, the chances are that you will be unhealthy. If you disobey the spiritual and moral laws, the chances are that you will be unhappy. By following the laws of nature and the spiritual laws of honesty, purity, unselfishness, and love, you can expect to be reasonably healthy and happy.

Twenty-Four Hours a Day

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Junkies verblöden

Die meisten Junkies verblöden. Und das war letztlich der entscheidende Grund, der mich zur Umkehr bewegte. Wir kennen nur ein Thema, und das ist der Stoff. Geht's nicht ein wenig intelligenter? Warum hänge ich mit diesen Nullen rum? Die sind langweilig. Schlimmer noch, viele sind absolut intelligente Menschen, die aber alle irgendwie wissen, dass sie sich haben täuschen lassen.

Andrerseits ... warum eigentlich nicht? Jeder lässt sich von irgendwas täuschen, wir wissen wenigstens, dass wir uns zum Affen machen. Keiner ist ein Held, nur weil er Drogen nimmt. Aber man könnte einer werden, wenn man es schafft, die Finger davon zu lassen. Ich liebte das Zeug. Aber irgendwann reichte es. Ausserdem schränkt es den Horizont so ein, bis man schliesslich nur noch Junkies kennt. Ich musste meinen Horizont erweitern.

Natürlich erkennt man das alles erst, wenn man den Ausstieg geschafft hat. Dafür sorgt schon der Stoff. Wie gesagt: Er ist die verführerischste Hure der Welt.

Keith Richards: LIFE

Sonntag, 9. Oktober 2011

Gestern Nacht & Heute Morgen

Das Meer von gestern Nacht hat mit dem Meer von heute Morgen nichts gemein. Obwohl er es seit Ewigkeiten kennt, überrascht es ihn immer wieder.

Clare Morall
Der Mann, der aus den Wolken fiel

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Life experience versus expertise

Psychiatrists, psychologists, and social workers are nowadays seen as experts in the field of drug treatment. And that is precisely why drug treatment mostly fails. The fact that sometimes it doesn't has rarely to do with the expertise of the experts, it has to do with a variety of factors beyond their influence: it might be because the sun is shining, it might be because it is raining, it might be because the addict is simply ready.

So why then is drug treatment in the hands of these experts? Because it gives them a job, and an income. And since what they do is not effective, their job comes with an excellent job guarantee.

What would then be effective? First of all, to see addiction as what it is: an unwillingness to deal with life on life's terms. And how does one become willing? By connecting with people who've suffered from the same problem, and who've managed to cope with the reality in front of them.

Differently put: what matters in drug treatment is reflected upon life experience and not expertise.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Angst & Freiheit

Die Nacht war ein einziger Spiessrutenlauf – Schmerzen, Übelkeit, Durchfall und Atemprobleme – , immer in dem Wissen, dass es sich lediglich um vorübergehende körperliche Symptome handelte, die er mit Sicherheit überleben würde, wenn es ihm gelang, seine Angst zu überwinden. Als Arzt wusste er, dass noch nie jemand an einem Opioidentzug gestorben war. Alkoholentzug? Manchmal. Barbituratentzug? Häufig. Aber nie bei Morphium oder Opioiden, einschliesslich Heroin. Eigentlich stand nur die Angst zwischen ihm und der Freiheit.

Steve Earle: I'll Never Get Out Of This World Alive

Mittwoch, 28. September 2011

Anonyme Drogensüchtige

„... muss ich um drei noch zu den Anonymen Drogensüchtigen.“
„ich weiss nicht, wie Du es schaffst, zu diesen Versammlungen zu gehen“, sagte Patrick. „Sind da nicht lauter grässliche Leute?“
„Na klar, aber das gilt für jeden Raum voller Menschen.“

Edward St Aubyn: Nette Aussichten

Sonntag, 25. September 2011

A change of careers

A former drugs counsellor who visited schools to warn youngsters about the dangers has been jailed for 12 years for his role in a £1.3 million heroin smuggling plot.
The UK Border Agency (UKBA) confirmed Mahfooz Ahmed, 34, was jailed yesterday at Leeds Crown Court after he admitted importing drugs.
A judge was told how 24.8kg of drugs were seized five years ago after an accomplice dropped a suitcase in a residential street in Halifax, West Yorkshire, when he spotted approaching customs officers.
In the suitcase were 50 blocks of high-purity heroin with an estimated street value of £1.36 million.
Law graduate Ahmed had been seen driving a car with the drug-laden suitcase before picking up his accomplice and then dropping him off in Hopwood Lane.
He went on the run for five years but was arrested in October last year in Harrow, North London.

The Independent, 2 August 2011

Mittwoch, 21. September 2011

La buena voluntad

Aunque nuestra obstinación nos cierre la puerta como succede a menudo, siempre podremos volver a abrirla con la llave de nuestra buena voluntad.

Los Doce Pasos

Sonntag, 18. September 2011

I can't deal with my feelings

I am an alcoholic and a drug addict. I have used substances to control and kill my emotions and my insecurities and my rage for my entire life. I have spent the bulk of my existence using alcohol and drugs to destroy what I feel so I wouldn't have to feel it. (...) I am an alcoholic and a drug addict. I can't deal with my feelings.

James Frey
My Friend Leonard

Mittwoch, 14. September 2011

Sieben Gründe

Es gibt genau sieben Gründe, weshalb einer (Frauen sind mit eingeschlossen) säuft: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag. Und es sind genau dieselben sieben Gründe, weshalb einer nicht säuft.

Sonntag, 11. September 2011

On Regrets

"You have a lot of regrets in your life, Robicheaux?" she said.
"All drunks do," I replied.
"How do you deal with them?"
"I don't labor over them anymore."

James Lee Burke
Last Car to Elysian Fields

Mittwoch, 7. September 2011

Psychology & Self-Reflection

What's the mistake with psychology and self-reflection?

"There's something profoundly wrong—as wrong as the Spanish Inquisition was. The Spanish Inquisition had one goal, to eradicate all traces of Muslim faith on the soil of Spain, and hence you had to confess and proclaim the innermost deepest nature of your faith to the commission. And almost as a parallel event, explaining and scrutinizing the human soul, into all its niches and crooks and abysses and dark corners, is not doing good to humans. We have to have our dark corners and the unexplained. We will become uninhabitable in a way an apartment will become uninhabitable if you illuminate every single dark corner and under the table and wherever—you cannot live in a house like this anymore. And you cannot live with a person anymore—let's say in a marriage or a deep friendship—if everything is illuminated, explained, and put out on the table. There is something profoundly wrong. It's a mistake. It's a fundamentally wrong approach toward human beings."

And so if humans persist in this way...?
"They persist in stupidity, then."

Werner Herzog in GQ

Sonntag, 4. September 2011

What gets us hooked?

Addiction has to start with exposure, says Dr Gillian Tober, president of the Society for the Study of Addiction. "It's generally for social reasons – groups of friends or a boyfriend or girlfriend – and it's often not pleasant. The reward is merely social. It then becomes reinforced and casual use shifts to dependence."

Drugs directly feed the reward circuitry of the brain, she says, and the brain learns to look forward to the thrill. Tolerance occurs as you demand more each time. Physiological dependence – addiction – then emerges. "It is this area – the mechanisms involved in the addictive process – where research has been most progressive and this has meant we have a lot more effective medications to help people come off nicotine, alcohol and opiates," Ilana Crome, a professor of addiction psychiatry at Keele University, says. "But we still don't know what actually causes addiction."

For more, go to here

Mittwoch, 31. August 2011

12-Step Addiction Treatment


A comprehensive literature review was undertaken that was compared to the author's own AA-experience in various cultures. The search was neither restricted to a specific time period nor were language restrictions employed. Studies published in peer-reviewed, academic journals as well as books and websites were selected on the basis of "usefulness" in regards to the research question. After establishing what AA is, the essay examined whether AA works. It found that AA differs substantially in regards to other treatment approaches by its "acting into thinking"-philosophy. The efficacy of AA could not be proven by employing a cause-and-effect methodology. Moreover, the complexity of human behaviour as well as the fact that AA is not practised uniformly raises many seemingly unanswerable methodological problems and it remains questionable whether AA treatment and outcomes can be measured by a cause-and-effect method. Testimonies of personal experience as well as for centuries practised human wisdom seem however to suggest that AA does work – for the ones who work the programme, that is.

Hans Durrer
12-Step Addiction Treatment
Does AA Work?
Grin verlag; www.grin.com
ISBN (eBook): 978-3-640-97684-3
ISBN (Book): 978-3-640-97673-7

Sonntag, 28. August 2011

Despite not because

I wrote my songs despite the fact that I was a drunk, not because of it.

Warren Zevon, 1947-2003

Mittwoch, 24. August 2011

On Sobriety

Sobriety, we learn, will not cure duplicity, loneliness or the tendency of human beings to do and say things that may not be in their interest (...) “The program is perfect,” Mr. Guirgis said in a phone interview. “The people in it? Not so much. It is full of complicated people who get a 24-hour reprieve from their disease.”

David Carr: Wrestling With Recovery Is No Fairy Tale.
The New York Times, 29 June 20

Sonntag, 21. August 2011

Die Wirksamkeit des Zwölf-Schritte-Programms


Eingeleitet wird diese (ursprünglich auf Englisch verfasste) Studie mit einer umfassenden Analyse der Literatur über die Wirksamkeit des Zwölf-Schritte Programms der Anonymen Alkoholiker (AA), die den Erfahrungen des Autors, die er in verschiedenen Kulturen gemacht hat, gegenüber gestellt wird. Dabei gab es weder zeitliche noch sprachliche Einschränkungen. Studien in peer-reviewed akademischen Zeitschriften, Büchern und Internetseiten wurden aufgrund ihrer "Nützlichkeit" berücksichtigt. Die Untersuchung kam zum Schluss, dass sich das Zwölf-Schritte Programm (AA-Programm) durch seine "acting into thinking"-Philosophie wesentlich von anderen Behandlungen unterscheidet. Seine Wirksamkeit lässt sich jedoch mit einer Ursache-Wirkung-Methodologie nicht nachweisen. Aufgrund der Komplexität menschlichen Verhaltens wie auch der Tatsache, dass das AA-Programm nicht einheitlich praktiziert wird, ist fraglich, ob seine Wirksamkeit mit einer Ursache-Wirkung-Methodologie überhaupt gemessen werden kann. Zeugnisse persönlicher Erfahrungen wie auch während Jahrhunderten praktizierte menschliche Weisheit scheinen jedoch den Schluss nahezulegen, dass das Zwölf-Schritte Programm in der Tat wirksam ist – für diejenigen, die das Programm auch wirklich praktizieren.

Hans Durrer
Suchtbehandlung
Die Wirksamkeit des Zwölf-Schritte-Programms
Grin Verlag; www.grin.com
ISBN (eBook): 978-3-640-97018-6
ISBN (Buch): 978-3-640-97042-1

Mittwoch, 17. August 2011

Bonding Psychotherapie

Die Bonding Psychotherapie versteht seelische Störungen als Ausdruck eines Mangels. Ihre Theorie „geht von mindestens sieben psychosozialen Grundbedürfnissen aus, deren hinreichende Befriedigung für seelische Gesundheit notwendig ist ... das Bedürfnis nach Bonding, Bindung, Autonomie, Selbstwert, Identität, Lust und körperlichem Wohlbehagen, Sinn und Spiritualität.“ Das sind stark interpretationsbedürftige Begriffe, was sagt also dieses Buch dazu? Nicht so wahnsinnig viel, stattdessen wird viel Theorie erörtert, unter anderen die „Theorie des Bedürfnisses nach Spiritualität und Sinn“, wobei man sich da natürlich fragen kann, ob dieses Bedürfnis wirklich einer Theorie bedarf.

Die Einführung von Spiritualität als ein menschliches Grundbedürfnis werde im Feld der Psychotherapie sehr kontrovers diskutiert, schreibt Stauss. Und woran liegt das? Daran, dass „viele Patienten in ihrer religiösen und spirituellen Sozialisation traumatische Erfahrungen gemacht haben.“

Wie komme ich eigentlich dazu, auf einem Blog über Sucht, auf ein Buch über Bonding Psychotherapie hinzuweisen? Weil diese in ihren Anfängen (via die Synanon-Bewegung) dem 12-Schritte Programm (spirituell ausgerichtet, konfessionsneutral) sehr nahe stand und heute im „Bad Herrenalber Modell“, welches das 12-Schritte Programm in sein Klinikmodell integriert hat, praktiziert wird.

Ein gut geschriebenes Buch ist das Werk von Konrad Stauss nicht. Das liegt zum Teil an der wenig inspirierten Sprache, zum Teil an der ständigen Wiederholung, dass die Bonding Psychotherapie bei psychischen Störungen von einer mangelnden Befriedigung der psychosozialen Grundbedürfnisse ausgeht.

Gelernt habe ich trotzdem was. Zum Beispiel, dass die 100 Milliarden Neuronen des Gehirns keiner übergeordneten Funktionszentrale unterstellt sind. Vielmehr organisiert das Hirn sich selber "durch einen hochwertigen Signalausstausch zwischen Neuronen, Neuronenverbänden und Hirnarealen". Und was für Folgerungen lassen sich daraus für die Bonding Psychotherapie finden? Die Antwort steht auf Seite 139.


Konrad Stauss
Bonding Psychotherapie
Grundlagen und Methoden
Kösel-Verlag, München 2006

Sonntag, 14. August 2011

Power & Control

All drunks fear and desire both power and control, and sometimes even years of sobriety inside A.A. don't rid alcoholics of that basic contradiction in their personalities. Why should I be any different?

James Lee Burke
Last Car to Elysian Fields

Mittwoch, 10. August 2011

Über Suchttherapie

.Kein Mensch kann sagen, weshalb jemand süchtig wird und ein anderer nicht. Sicher, da gibt es die Wahrscheinlichkeiten. Die Chance, dass einer, der aus einer Alkoholikerfamilie stammt, grössere Chancen hat, auch wieder zum Alkoholiker zu werden, als einer, der in einer 'normalen' Familie aufgewachsen ist, das ist bekannt.

Wenn wir also die Ursachen nicht kennen, weshalb einer zum Säufer wird und ein anderer nicht, bleibt schleierhaft, wie Psychologen, Psychiater und Sozialhelfer - denn für diese ist Sucht Symptom und diesem liegt eine oder mehrere Ursachen zugrunde - jemanden von seiner Sucht befreien wollen, schliesslich besteht die gängige Suchttherapie darin, die Ursachen zu erkennen und zu behandeln (vereinfacht gesagt, denn Wechselwirkungen werden durchaus berücksichtigt).

Mal grundsätzlich: Wie will man zum Beispiel messen, ob Alkoholiker nicht auch ohne Hilfe trocken geworden wären? So hören doch viele mit dem Saufen auf, weil sie in einen neuen Lebensabschnitt eintreten oder weil in einem bestimmten Moment die Sonne scheint oder weil die kleine Tochter fragte: "Papi, besäufst Du Dich wieder?"

Weshalb dann eigentlich Therapie?
Nun ja, Therapien ernähren die Therapeuten.

"Sie leiden nicht unter dem, was Sie sich vorstellen", sagt die Psychologin zum Alkoholiker, "Sie leiden unter dem, was ich studiert habe."

Das heisst nicht, dass die gängigen Therapien nichts bringen - es kann sein, dass die gelegentlich hilfreich sein können. Nur eben: Psychologen, Psychotherapeutinnen oder Psychiater, die etwas von Sucht verstehen, tun dies nicht wegen ihren staatlich anerkannten Diplomen, sondern trotz diesen.

Übrigens: es gibt genau sieben Gründe, weshalb einer säuft: Montag, Dienstag. Mittwoch ...

Sonntag, 7. August 2011

A shower of clichés

The writer Wilfrid Sheed on AA:

In the new world I was about to enter, the assumption was that it was always the truth you were flinching from like a vampire at high noon, and never just from cliché or, in this case, a shower of clichés, the bane of my profession.

Wilfrid Sheed
In Love with Daylight
A Memoir of Recovery

Mittwoch, 3. August 2011

Ehrlichkeit als Schlüssel

Sicher ist aber, dass nicht Genetik und Konstitution allein, sondern vielfältige psychosoziale Lernprozesse zur Sucht führen.

Sicher erscheint mir überdies, dass Sucht-Strukturen – wenn sie sich in einer Person einmal verfestigt haben – nicht zu tilgen sind. Seit achtundzwanzig Jahren trinke ich nun keinen Alkohol mehr, aber dass ich trotzdem ein durch und durch süchtiger Mensch geblieben bin, ist mir bewusst. Sucht, das weiss ich heute aus eigener Erfahrung, ist eine Lebenshaltung. Mir ist inzwischen gleichgültig, ob sie angeboren oder angelernt ist. Auch ob ich diese spezielle Eigentümlichkeit als Krankheit, Defizit, Charakterfehler oder Schicksal definiere, macht letztlich keinen Unterschied. Entscheidend bleibt allein, dass ich sie als Teil meiner Identität wahrnehme und akzeptiere. Mit anderen Worten: ich leugne nicht meine immer in mir lauernde Neigung, alles, was ich betreibe, so masslos zu steigern, dass es am Ende zum Selbstzweck wird und mich abhängig macht. Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist nicht immer erbaulich. Doch nur so kann ich versuchen, mich gegen die Gefährdungen des Rückfalls oder der Suchtverlagerung zu wappnen. Überall gilt, was Erhard Eppler in der Politik gelernt hat: „Je perfekter die Deformation, desto geringer das Bewusstsein davon.“

Jürgen Leinemann
Höhenrausch
Die wirklichkeitsleere Welt der Politiker.
Karl Blessing Verlag, München 2004

Sonntag, 31. Juli 2011

Drinking Culture

Go to the culture section of any newspaper or magazine and you will find book reviews, essays on architecture, art exhibitions or articles on the question "How Jewish was Franz Kafka" (the online version of the International Herald Tribune on 18 August 2008). What you will however not find in that section are articles on, say, hooliganism or binge drinking, despite that both are very much cultural phenomena.

"Air rage attacks by British passengers have trebled in the past five years, with pilots blaming airport delays for allowing passengers to get drunk", I read in the online version of The Daily Telegraph of 19 August 2008. Why not blame (partly, at least) British drinking culture, I wonder?

Mittwoch, 27. Juli 2011

Psychotherapeuten im Visier

Im Jahre 2005 erschien im Münchner Kösel Verlag Holger Reiners' „Das heimatlose Ich. Aus der Depression zurück ins Leben“, worin der Autor forderte, man solle den Arzt fragen, wie "sein Behandlungskonzept und der zu erwartende Zeitrahmen bis zum Behandlungsende in etwa aussehen“ und zudem „immer wieder die vom Therapeuten vorgeschlagenen Behandlungsschritte zu hinterfragen“ sowie „nach dem Behandlungsansatz fragen, nach den Behandlungszielen und warum wann welcher Schritt aus Sicht des Arztes notwendig ist."

In seinem neuesten Werk, „Psychotherapeuten im Visier“, verlangt Holger Reiners so recht eigentlich dasselbe. Es bedürfe "eines radikalen Umdenkens im Umgang mit Menschen, die unter seelischen Krankheiten leiden. Wir müssen sie endlich ernst nehmen, ihnen ärztliche Aufmerksamkeit widmen und seelische Erkrankungen ebenso gleichrangig behandeln wie somatische.“

Als ich das las, kam mir diese Stelle in Tim Parks' „Die Kunst still zu sitzen“ in den Sinn:
„Kommen wir noch einmal zu den körperlichen Aspekten.“ Aber dann hielt ich inne. „Oder wollen sie behaupten, es sei alles rein psychosomatisch?“
Ein Lächeln breitete sich langsam auf dem Gesicht des Arztes aus. „Das ist ein Wort, für das wir kaum Verwendung haben, Mr. Parks.“
Ich schaute ihn an.
„Man spricht nur von psychosomatisch, erklärte seine Frau, „wenn man der Auffassung ist, Körper und Geist könnten je getrennt sein.“

Nun gut, das ist eine indische Auffassung, und vielleicht etwas zu radikal verschieden von dem, was der westliche Mensch sich so gewohnt ist, als dass ich hier darauf eingehen will. Ich will übrigens auch gar nicht so tun, als ob ich das wirklich könnte, ich fand einfach den indischen Ansatz faszinierend. Doch zurück zu Reiners' Psychotherapeuten: „Psychotherapeut – ein grosses Wort, das geradezu pathetisch die Sonderrolle des Akteurs assoziiert. Wie anders klingt dagegen die Bezeichnung 'Schmerztherapeut'! An einen Schmerztherapeuten hat der Patient klare Erwartungen: Seine Schmerzen besonders bei schweren Erkrankungen soweit es geht schnell und nachhaltig zu lindern.“

Bei aller Sympathie – die Wahrheit ist konkret ! – , das Problem bei der Depression (wie auch bei Burn Out, Alkoholismus, Kokainsucht etc.) liegt ja nicht zuletzt darin, dass man bislang nicht hat klären können, wie sie eigentlich entsteht. Und damit eben auch nicht wirklich weiss, wie sie zu behandeln ist. Nicht weil jeder Fall so wahnsinnig verschieden und eine Behandlung deswegen nicht standardisierbar ist (Reiners wirft den Psychotherapeuten zu Recht vor, dass sie sich hinter diesem Argument verstecken), sondern weil das menschliche Verhalten zu komplex und rätselhaft ist, als dass es „wissenschaftlich“ vorher gesagt werden könnte. Anders gesagt: den fachlich kompetenten Psychotherapeuten (und das meint: den Spezialisten für seelische Probleme), den Reiners fordert, kann es so recht eigentlich gar nicht geben. Aus dem simplen Grund, weil es gar keine objektiven Kriterien oder Tests zur Feststellung einer Depression oder von seelischer Gesundheit gibt.

Ganz unbedingt zuzustimmen ist Reiners hingegen bei seiner Forderung, dass der Kranke vom Therapeuten mit grosser Empathie empfangen werden sollte. Doch „genau das entspricht nicht dem Selbstverständnis der Therapeutenzunft. Sie setzt zuerst einmal auf Distanz, spontane Herzlichkeit und eine Geste der Zuversicht gehören nicht zum therapeutischen Ritual. Der Patient soll bewusst auf sich selbst gestellt bleiben – ich nenne es hilflos sein.“

Es gibt (wenige) Therapeuten, die zugeben, dass sie hilflos sind. Das macht sie menschlich. Und deswegen gelegentlich kompetent. „Nit nit ay garabam“, sagen die senegalesischen Wolof, der Mensch sei des Menschen Arznei. Bei seelischen Problemen gilt das ganz unbedingt.

Holger Reiners
Psychotherapeuten im Visier
Diederichs Verlag, München 2011

Sonntag, 24. Juli 2011

Recovery Talk

Veronica has issues with recovery talk. It is, as she says, all well and good that people head into church basements, drink coffee and quit killing themselves with chemicals. But the haze of goodness and self-realization that surrounds it? Not so much.

“In my book if giving up my substances means I am going to turn into a navel-gazing, self-satisfied clown like the [expletive] I see in your meetings, then you what? — pass the joint, shake me a margarita, and kiss my” — well, you get the picture.

David Carr: Wrestling With Recovery Is No Fairy Tale.
The New York Times, 29 June 2011

Mittwoch, 20. Juli 2011

Psychiatry & Drug Industry

The drug industry, of course, supports other specialists and professional societies, too, but Carlat asks, “Why do psychiatrists consistently lead the pack of specialties when it comes to taking money from drug companies?” His answer: “Our diagnoses are subjective and expandable, and we have few rational reasons for choosing one treatment over another.” Unlike the conditions treated in most other branches of medicine, there are no objective signs or tests for mental illness—no lab data or MRIfindings—and the boundaries between normal and abnormal are often unclear. That makes it possible to expand diagnostic boundaries or even create new diagnoses, in ways that would be impossible, say, in a field like cardiology. And drug companies have every interest in inducing psychiatrists to do just that.

Marcia Angell: The Illusions of Psychiatry
The New York Review of Books, 14 July 2011

Sonntag, 17. Juli 2011

One addiction replacing another?

"In time, I grew to alternately resent and hate AA because in some ways it stole my husband from me. He stopped going out at night or socialising with anyone who was not a member. He went to meetings at least once a day, sometimes twice. The only person he spoke to, aside from me, was his sponsor. I knew it was keeping him sober, but I was not sure, as someone had told me, that it was not one addiction replacing another" writes Janine di Giovanni in Ghosts by Daylight: A Memoir of War and Love (Bloomsbury).

The question whether one addiction is simply replaced by another I do find a rather academic one for not all addictions are the same - some will eventually kill you, others will help you living a constructive life.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Learning to live

I was astonished to discover that only one of the twelve steps, the first one, mentions the word alcohol (specifically, the admission of powerlessness over drink). The other eleven all have to do with getting by, with learning to be honest and responsible and humble, to own up to your mistakes when you make them, to ask for help when you need it.

Caroline Knapp: Drinking, a Love Story

Sonntag, 10. Juli 2011

The War on Drugs

The report (of the Global Commission on Drug Policy) describes the total failure of the present global antidrug effort, and in particular America’s “war on drugs,” which was declared 40 years ago today. It notes that the global consumption of opiates has increased 34.5 percent, cocaine 27 percent and cannabis 8.5 percent from 1998 to 2008. Its primary recommendations are to substitute treatment for imprisonment for people who use drugs but do no harm to others, and to concentrate more coordinated international effort on combating violent criminal organizations rather than nonviolent, low-level offenders.

Jimmy Carter: Call Off the Global Drug War
The New York Times, 16 June 2011

Mittwoch, 6. Juli 2011

Sólo por un día

Todos nosotros en A.A. permanecemos alejados del primer trago sólo por un día. Y, para muchos de nosotros, es igualmente importante que permanezcamos alejados de la primera pastilla, sólo por un día.

El miembro de A.A. y el Abuso de las Drogas

Sonntag, 3. Juli 2011

Das Leben findet jetzt statt

‎Dieses 'später' und dieses 'eines Tages' gibt es einfach nicht. Das Leben findet jetzt statt, man kann es nicht verschieben.

Claudia Kotter
.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Not now, not ever

Sometime later, Bruno quit drinking with the help of Alcoholics Anonymous. He walked into a meeting – in English because he felt the Americans handled addictions more positively, more actively than their French counterparts – and seemed to never walk out. I was, and am, fiercely proud of him, because I knew how hard it was to take that final drink and know he would never be able to drink a glass of champagne or fine burgundy, or click a martini glass with me again. Not now, not ever.

Extracted from Ghosts by Daylight: A Memoir of War and Love
by Janine di Giovanni (Bloomsbury)
© Janine di Giovanni 2011

Sonntag, 26. Juni 2011

Treatment success rates

Do you know the success rate of this Hospital?
No.
It's about seventeen percent. That's of Patients who are sober for a year after they leave here.
That sucks.
That's the best success rate of any Treatment Center in the World.
That really sucks.
I've worked in six. I'm an Alcoholic and an Addict myself, and the only thing I've ever seen that works is the Twelve Steps.

James Frey: A Million Little Pieces

Mittwoch, 22. Juni 2011

Sober Living

There's something about sober living and sober thinking, about facing long afternoons without the numbing distraction of anesthesia, that disabuses you of the belief in externals, shows you that strength and hope come not from circumstances or the acquisition of things but from the simple acumulation of active experience, from gritting the teeth and checking the items off the list, one by one, even though it's painful and you're afraid.

Caroline Knapp: Drinking, a Life Story

Sonntag, 19. Juni 2011

Change how you act

The truth is that if you want to change how you feel, you must change how you act and keep at it long enough until acting in a healthy manner is as comfortable as acting in a self-defeating manner used to be.

Earnie Larsen: Stage II Recovery

Mittwoch, 15. Juni 2011

An addict is ...

... someone who seeks physical solutions to emotional or spiritual problems.

Caroline Knapp: Drinking, a Life Story

Sonntag, 12. Juni 2011

On Surrender

Until your knees finally hit the floor, you're just playing at life, and on some level you're scared because you know you're just playing. The moment of surrender is not when life is over. It's when it begins.

Marianne Williamson: A Return to Love

Mittwoch, 8. Juni 2011

Über das Trinken

„Trinken sollte zum Rausch führen. Punkt.“ Davon ist in diesem Essay die Rede, und zwar plaudernd und eloquent – man stellt sich den Autor als gerne gesehenen Gast bei Abendgesellschaften konventionell gebildeter Kreise vor.

Die Befürchtung Peter Richters, „dass es auf dem Gebiet des Trinkens zu einer ähnlich restriktiven Gesundheitspolitik kommen könnte wie zuletzt beim Rauchen“, teile ich. Und ebenso, dass Sinn und Zweck des Trinkens sei, dass Alkohol „in ausreichenden Mengen über das Blut ins Gehirn gelangen (sollte), um dort für ein paar Veränderungen zu sorgen.“ Warum sollte man auch sonst zum Alkohol greifen? Für Leute, die keine grossen Probleme mit gelegentlichem morgendlichem Kopfweh etc. haben, kann das durchaus bereichernd sein. Es gibt aber eben auch andere:

„Man hat ihr wieder den Führerschein abgenommen, sie ist das dritte Mal in den letzten anderthalb Jahren mit Alkohol am Steuer erwischt worden. Ich sag zu ihr: „Herr im Himmel, kannst du nicht was trinken, ohne jedes Mal stockbesoffen zu werden?' Sagt sie: 'Was soll denn das für 'nen Sinn haben?'“ (Elmore Leonard: Callgirls).

Wenn einigen der Alkohol nicht bekommt und andere davon abhängig werden, ist das noch kein Grund den Alkoholkonsum zu verteufeln. Das sieht Richter genauso wie die Alkoholindustrie. Und sie haben natürlich recht.

„Abstinenz ist kein kontrolliertes Trinkverhalten“, sagen laut Richter die diplomierten Verkehrspsychologen. Und dass man „die eigene Trinkgeschichte aufarbeiten“ müsse. Das ist natürlich Blödsinn. Richtig ist dies: Wer ein Trinkproblem hat, soll mit dem Trinken aufhören und abstinent leben. Kontrolliertes Trinkverhalten ist für einen Alkoholiker eine Illusion, Abstinenz nicht.

Doch darum geht es Richter nicht. Er will denjenigen, die trinken, sagen, warum das vernünftig ist. Das liest sich häufig amüsant, etwa wenn er ausführt, der Mensch sei nicht des Ackerbaus wegen sesshaft geworden, sondern weil er zufällig den Alkohol entdeckte. „Ich glaube nicht, dass es schon damals Vegetarier gab, die freiwillig das Fleisch ziehen liessen, um auf das Wachsen der Beilagen zu warten. Ich weiss aber: Ein sehr starker Grund, irgendwo zu bleiben, ist die Aussicht auf den nächsten Drink.“

Es gehöre „zu den politischen Usanzen der Bundesrepublik, das Trinkverhalten von Politikern diskret zu behandeln“, schreibt Richter. „Wie sollte es auch anders gehen: Der gesamte politische Betrieb ist komplett eingelegt in Alkohol.“ Bei Richter sieht 'diskret' dann so aus: „Weinbrand-Willy“ (Willy Brandt), „Rotwein formte diesen Körper“ (Joschka Fischer), „..auch wenn schon damals erzählt wurde, dass Strauss nach einem Empfang einmal erst am nächsten Morgen schlafend in den Rabatten des Schlossgartens aufgefunden wurde – als er noch Bonner Verkehrsminister war und als die Kubakrise gerade auf den dritten Weltkrieg hinauszulaufen schien.“

„Die Kriege, die heute die Welt in Atem halten, sind überwiegend von Nichttrinkern vorangetrieben worden“, behauptet Richter und führt als Beleg islamistische Gotteskrieger, George W. Bush und Hitler an. Sicher, nicht zu trinken, macht einen noch lange nicht zu einem vernünftigen Menschen, doch zu suggerieren, dass trinken das tue, ist bei weitem unsinniger.

In einem Interview mit dem Zürcher Tagesanzeiger antwortete Richter auf die Frage, ob der Alkohol als Treibstoff für Schrifsteller (darüber lässt er sich in seinem Buch auch aus) nicht ein altes Klischee sei? „Es ist eine glückliche literaturhistorische, wenn auch medizinisch gewiss traurige Tatsache. Poe, Baudelaire, Hemingway, Faulkner, Fitzgerald – hätten Sie denen die Flasche wegnehmen wollen, jetzt mal so ganz im eigenen Interesse als Leser? Schon mal über Goethes Weinkonsum nachgelesen? Können Sie mir überhaupt einen guten Schriftsteller nennen, von dem sicher ist, dass er nicht zumindest gelegentlich trinkt, um in Fahrt zu kommen?“

Dazu fällt mir der Schriftsteller Ross Macdonald ein, der den alkoholkranken Musiker Warren Zevon im Spital besuchte. Zevon meinte, er habe Angst, dass er ohne Alkohol keine Musik mehr zustande bringe. Darauf sagte Macdonald: Du schreibst gute Musik trotz und nicht wegen des Alkohols.

Nur eben, davon handelt dieses Buch nicht.

Peter Richter
Über das Trinken
Wilhelm Goldmann Verlag, München 2011

Sonntag, 5. Juni 2011

Ayuda de un poder superior

La mayoria de los alcohólicos anónimos que han necesitado aprender a vivir sin alcohol y sin drogas, han encontrado de gran importancia los aspectos espirituales de A.A., lo cual no implica tener necesariamente una religión, sino que consiste en que el individuo recurra (en el lenguaje del Segundo Paso de A.A.) „a un poder más grande que nosotros mismos.“

El miembro de A.A. y el Abuso de las Drogas

Mittwoch, 1. Juni 2011

Practising the Steps

"Most of us began practicing the Steps without realizing their full implications. Experience quickly taught us that they worked. They got us sober and enabled us to stay sober. From our intensely pragmatic standpoint, that was what mattered. We were content to enjoy our sobriety and leave all debates as to why the Steps worked to non-alcoholic theorizers - whose lives did not hang in the balance if they got themselves confused and came to some wrong conclusions"

Author Unknown, 1976

Sonntag, 29. Mai 2011

Süchtig nach Respekt

Sizilianer sind süchtig nach Respekt, und die Mafia verkauft ihnen den Stoff.

Petra Reski: Mafia

Mittwoch, 25. Mai 2011

Disturbing Tendencies in AA

Two disturbing tendencies are noticeable in contemporary AA. One is toward a lower recovery rate overall. For the first twenty years, the standard AA recovery estimate was seventy-five percent. An experience was that fifty percent of the alcoholics who came to AA got sober right away and stayed sober. Another twenty-five percent had trouble for a while but eventually got sober for good, and the remaining twenty-five percent never made a recovery. Then there was a period of some years when AA headquarters stopped making the seventy-five percent recovery claim in their official literature. In 1968, AA's General Service Organization published a survey indicating an overall recovery rate of about sixty-seven percent. The net of all this seems to be that as AA has gotten bigger and older, its effectiveness has dropped from about three in four to about two in three. (Note: two in three was in 1976 - our data shows numbers much LESS in 1997 - 1 in 15).

The majority of those who become addicted are people with a mystical streak, an appetite for inexhaustible bliss. We sought in bottles what can only be found in spiritual experience. AA worked in the first place because its Twelve Steps were a workable set of guidelines to spiritual experience. Growth of the movement made possible for a time a kind of parasitism in which partial practitioners and non-practitioners of the spiritual principles were able to feed off the strength of those who had undergone real spiritual experiences. But at this point in time, (1976) the parasites have already drained the host organism of a considerable portion of its life force.

Author Unknown, 1976

Sonntag, 22. Mai 2011

Greater Lucidity

... life doesn't get easier when you walk away from the culture of drink; you simply live it with greater lucidity.

Pete Hamill: A Drinking Life

Mittwoch, 18. Mai 2011

Just Hold On

He gave me the best advice that I was given while I was at the center, which was to hold on. No matter how bad or difficult life becomes, if you hold on, hold on to whatever it is you need to hold on to, be it religion, friends, a support group, a set of steps or your own heart, if you hold on, just hold on, life will get better.

James Frey: My Friend Leonard

Sonntag, 15. Mai 2011

Meine Therapie

Es gibt Süchtige - und es sind nicht wenige - , die würden nie im Leben einen Psychologen, Psychotherapeuten oder Psychiater aufsuchen. Weil sie diesen nicht trauen. Was können die, die in dieser Gesellschaft funktionieren (und sie vertreten), von denen wissen, die sich dagegen wehren? Nein, nicht alle Süchtigen wehren sich gegen die Gesellschaft, doch alle wehren sich gegen die Realität. Und Teil der sozialen Realität sind die anerkannten sozialen Helfer - Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater.

Mittwoch, 11. Mai 2011

The culture of drink

The culture of drink endures because it offers so many rewards: confidence for the shy, clarity for the uncertain, solace to the wounded and lonely, the elusive promises of friendship and love.

Pete Hamill: A Drinking Life

Sonntag, 8. Mai 2011

Celebrity Redemption

It's a cliché now that when celebs get caught with their hand in the cookie jar, or their nose in the sherbet, they go to rehab. (People like me, who can take stuff or leave it, outrage the prevailing orthodoxy with our refusal to make an addiction out of an amusement.) But sadly, just as all junkies are one atom of the same vast (dishonest, self-pitying, boring) entity – a bit like the Borg – so Reformed Characters are identically dull. From Kerry Katona to Will Self, from Russell Brand to Tara P-T, Not Doing Drugs becomes as central and boastful in their lives as Doing Drugs once was; they still can't bear not to be stage-centre, but now they expect respect for their abstinence rather than their indulgence.

Julie Burchill
Celebrity redemption is even more sickening than celebrity excess

The Independent, Thursday, 14 April 2011

Mittwoch, 4. Mai 2011

La sustitución por un poder constructivo

... la experiencia de A.A. demuestra que la sobriedad feliz si requiere la sustitución por un poder constructivo, dejando aquél poder destructivo del alcohol, respecto del cual el alcohólico admitió haber perdido todo control.

El miembro de A.A. y el Abuso de las Drogas

Sonntag, 1. Mai 2011

Sie glauben nicht an Therapie?

Sie glauben nicht an Therapie?

Lassen Sie mich es so sagen: Man kann nicht auf der Welt sein, ohne in Schmerzen zu leben, seelischen und körperlichen Schmerzen. Wir haben Mechanismen entwickelt, um mit diesen Schmerzen umzugehen, sie irgendwie zu überwinden. Therapie, Religion und Spiritualität, Beziehungen, materiellen Erfolg. All das kann funktionieren, aber auch selbst zum Problem werden.

David Foster Wallace
Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich

Mittwoch, 27. April 2011

Being an addict

But being an addict means that you never stipulate to being an adult. You may, as the occasion requires, adopt the trade dress of a grown-up, showing responsibility and gravitas in spurts to get by, but the rest of the time, you do what you want when you want.

David Carr: The Night of the Gun

Sonntag, 24. April 2011

Sharing as Therapy

You cannot help others unless you understand the person you are trying to help. To understand the problems and temptations of others, you must have been through them yourself. You must do all you can to understand others. You must study their backgrounds, their likes and dislikes, their reactions and their prejudices. When you see their weaknesses, do not confront the person with them. Share your own weaknesses, sins, and temptations, and let other people find their own convictions.

Twenty-Four Hours a Day

Mittwoch, 20. April 2011

Acht Obstsorten

Durstig ging er zum Kühlschrank, und bei dem Anblick der eisigen Bierflaschen kam ihm der Gedanke [es war noch dunkel, er war gerade erst aufgestanden], er könne ein Bier trinken. Er nahm die Zweiliterflasche Saft heraus, der laut Etikett acht Obstsorten enthielt. So was glaubte nur ein Volltrottel.

Peter Temple: Kalter August

Sonntag, 17. April 2011

Spiritual Development

Spiritual development is achieved by daily persistence in living the way you believe God wants you to live. Like the wearing away of a stone by steady drops of water, so will your daily persistence wear away all the difficulties and gain spiritual success for you. Never falter in this daily, steady persistence. Go forward boldly and unafraid. God will help and strengthen you, as long as you are trying to do His will.

Twenty-Four Hours a Day

Mittwoch, 13. April 2011

Unspeakable Truths

The theme of abasement followed by salvation is a durable device in literature, but does it abide the complexity of how things really happened? Everyone is told just about as much as he needs to know, including the self. In Notes from Underground, Dostoevsky explains that recollection - memory, even - is fungible, and often leaves out unspeakable truths, saying, "Man is bound to lie about himself."

David Carr: The Night of the Gun

Sonntag, 10. April 2011

Verschweigen

"Glauben Sie dass sie etwas weiss, was sie uns verschweigt?"
"Das tut fast jeder", sagte ich. "Darum ist mein Leben auch so schwer. Und so interessant."

Ross Macdonald: Camping im Leichenwagen

Mittwoch, 6. April 2011

Getting In Touch

They neglect to tell you that after the urge to get high magically vanishes and you've been Substanceless for maybe six or eight months, you'll begin to start to 'Get In Touch' with why it was that you used Substances in the first place. You'll start to feel why it was you got dependent on what was, when you get right down to it, an anesthetic. 'Getting In Touch With Your Feelings' is another quilted-sampler-type cliché that ends up masking something ghastly deep and real, it turns out. It turns out that the vapider the AA cliché, the sharper the canines of the real truth it covers.

David Foster Wallace: The Infinite Jest

Sonntag, 3. April 2011

Leben hinzufügen

Du kannst deinem Leben
keinen Tag hinzufügen,
aber du kannst jedem Tag
Leben hinzufügen.

Ralf Schneider
Die Suchtfibel
Schneider Verlag Hohengehren, 2009
14. überarbeitete und erweiterte Auflage

Mittwoch, 30. März 2011

On drinking alcohol

Drinking small amounts is compatible with a healthy lifestyle. For some people, it can confer benefits to health. Drinking 1-2 units a day on a regular basis may reduce the risk of heart disease in men over 40 and in women after the menopause. However, it is also perfectly healthy not to drink alcohol at all.

Scottish Plan For Action on Alcohol Problems 2004

Sonntag, 27. März 2011

An ongoing program of recovery

At my wife's request and my family's demand, I entered treatment ... A model patient, I said and did all the right things while I was an inpatient and made gestures at sobriety when I came out, but I had no ongoing program of recovery and soon backslid into using.

David Carr: The Night of the Gun

Mittwoch, 23. März 2011

Mistakes about alcoholism

People generally make two mistakes about alcoholism. One mistake is that it can be cured by physical treatment only. The other mistake is that it can be cured by willpower only.

Twenty-Four Hours a Day

Sonntag, 20. März 2011

Waffen & Suff

Was kann man nun tun gegen eine geladene Waffe in der Hand eines Betrunkenen, der von einer Frau abgewiesen wurde? Auf der Strasse gehen unerwiderte Liebe und Tod fast genau so oft Hand in Hand wie in Shakespeares Werken.

Scott Turow: Das Gesetz der Väter

Mittwoch, 16. März 2011

Spieler

Ich betrat den Club, wo sich nachmittägliche Besucher amüsierten. Falls man von Spielern sagen kann, dass sie sich amüsieren.

Ross Macdonald: Camping im Leichenwagen

Sonntag, 13. März 2011

Vom Glauben (2)

Ich habe Ihnen beigebracht, dass Sie den ersten Schritt machen müssen: zu lernen, an den Glauben zu glauben. Und eines Tages werden Sie den zweiten Schritt machen und herausfinden, an was Sie glauben.

Paul Torday
Lachsfischen im Jemen

Mittwoch, 9. März 2011

Certified Counselling

Are you a certified addiction counsellor?
Of course not, I know what I'm talking about.
Aren't you a bit arrogant?
Not at all. I believe that the counsellors are arrogant who simply pass an exam but have never had any personal experience of addiction.
Well, you wouldn't require veterinarians to turn into horses first, right?
No, but addicts have special radars, they can smell other addicts, and they simply do not trust counsellors whose only qualification is to be certified by the system a lot of addicts, seemingly, do not want to be part of.

Sonntag, 6. März 2011

Drug Addicts

... the shocking behaviour of Mubarak's plainclothes battagi – the word does literally mean "thugs" in Arabic – who beat, bashed and assaulted demonstrators while the cops watched and did nothing, was a disgrace. These men, many of them ex-policemen who are drug addicts, were last night the front line of the Egyptian state. The true representatives of Hosni Mubarak as uniformed cops showered gas on to the crowds.

Robert Fisk: A people defies its dictator, and a nation's future is in the balance. The Independent, 29 January 2011.

Mittwoch, 2. März 2011

Trockenrausch

Der Ausdruck "Trockenrausch" wurde von den Anonymen Alkoholikern geprägt. Damit ist das Ausbleiben einer umfassenden charakterlichen Wandlung bei nicht mehr trinkenden Alkoholikern gemeint ... Der Trockenrausch ist ein Warnsignal für einen drohenden "nassen" Rausch.
Ein deutliches Kennzeichen von Personen im Trockenrausch ist ihr grossspuriges Benehmen ... Ein anderes Merkmal ... ist die Selbstgerechtigkeit und damit verbunden die Bereitschaft zu strengen und fertigen Urteilen über alles und jedes, insbesondere über die Mitmenschen ... Die wirklichkeitsfremde Haltung, die der trockene Rausch meint, zeigt sich darüber hinaus manchmal in Ungeduld und Masslosigkeit ...

Ralf Schneider
Die Suchtfibel
Schneider Verlag Hohengehren, 2009
14. überarbeitete und erweiterte Auflage

Sonntag, 27. Februar 2011

That first drink

When we think about having a drink, we're thinking of the kick we get out of drinking, the pleasure, the escape from boredom, the feeling of self-importance, and the companionship of other drinkers. What we don't think of is the letdown, the hangover, the remorse, the waste of money, and the facing of another day. In other words, when we think about that first drink, we're thinking of all the assets of drinking and none of the liabilities.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Das Zwölf-Schritte Programm

Die Überzeugung, dass die 12-Schritte - trotz des Fehlens eines Ursache-Wirkung-Beweises - wirksam sind (für die, welche das Programm auch wirklich praktizieren), gründet sich nicht alleine auf die Erfahrung von vielen (meine eigene eingeschlossen), sondern auch auf die Tatsache, dass viele Dinge des Lebens der menschlichen Ursache/Wirkung-Logik entgegen stehen (so baut zum Beispiel vieles der von Menschen geschaffenen Wirklichkeit auf abstrakten mathematischen Modellen auf, die passgenau und verifizierbar funktionieren, obwohl Mathematiker herausgefunden haben, dass sie auf fehlerhaften Grundannahmen beruhen - wie Hans Magnus Enzensberger in Fortuna und Kalkül ausgeführt hat). Dazu kommt, dass die Zwölf- Schritte-Prinzipien jahrhundertealte menschliche Weisheit verkörpern; dass der undoktrinäre Ansatz und umkomplizierte Zugang hilfreich und attraktiv ist; dass die Gruppenzugehörigkeit (sich anderen zugehörig zu fühlen und sich gegenseitig zu helfen) ein fundamentales menschliches Bedürfnis ist; dass das 12-Schritte-Leitprinzip, durch Handeln sein Denken zu ändern, sich nicht auf das Warum des Saufens konzentriert, sondern aufzeigt, wie man praktisch sein Verhalten ändern kann, und dass der Gelassenheitsspruch

(Gott) gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

zu den wohl besten Rezepten für ein nüchternes, realistisches und ausgeglichenes Leben überhaupt gehört, auch für die, welche Mühe mit der Vorstellung einer höheren Macht haben.

Hans Durrer, 2010

Sonntag, 20. Februar 2011

Trügerische Euphorie

Ihre Euphorie war trügerisch wie die eines Rauschgiftsüchtigen; sie konnte ebenso zerstörerisch sein.

Ross Macdonald: Camping im Leichenwagen

Mittwoch, 16. Februar 2011

Mein Suchtherapieansatz

Was also ist mein Ansatz? Ich habe das Rad nicht neu erfunden, ich mache, was andere auch tun: zuhören und motivieren (in verschiedenen Sprachen). Mit einem wesentlichen Unterschied: ich kenne Sucht nicht aus Schulbüchern, sondern aus eigener Erfahrung und motiviere deshalb anders als jemand, dem diese Erfahrung fehlt. Das meint nicht, dass mir die Theorie fremd ist, so erwarb ich etwa das University Certificate in Drug & Alcohol Studies der University of Stirling in Schottland. Jedoch: viele meiner Einsichten in die menschliche Natur (und diese sind zentral für das Verständnis von Suchtproblemen) entstammen nicht der Schulweisheit, sondern verdanke ich dem Unterwegssein in fremden Kulturen (und der eigenen) und Werken der Weltliteratur, hauptsächlich den Erkenntnissen von Dostojewski (dem grössten Psychologen überhaupt) und Freud (für seine Einsicht, dass wir nicht Herr in unserem Hause sind) sowie Krimis, Zufällen, Glück, Pech, Schicksal und, nun ja, wer weiss das schon so genau?

Hans Durrer

Sonntag, 13. Februar 2011

My Treatment Approach

So what then is my treatment approach? Well, I have not invented the wheel anew, I do what others do: I listen and I motivate (in several languages). But there is of course a difference: I know addiction not from textbooks but from personal experience and this means that my way of motivating differs considerably from the ones who lack this experience. This is not to say that theory is foreign to me: I obtained the University Certificate in Drug & Alcohol Studies from the University of Stirling, Scotland. However: many of my insights into human nature (and these are central for understanding addiction) do not originate from classroom wisdom but from having lived and worked in a variety of cultures, and from great works of world literature, namely the ones of Dostoevsky (the greatest psychologist ever) and Freud (who taught us that man isn't master in his own house) as well as from thrillers, coincidence, (good and bad) luck, destiny and, well, who knows?

Hans Durrer

Mittwoch, 9. Februar 2011

Sucht ist kein Symptom

"Nützt eh nix" sagen viele, die Familienangehörige in Suchtkliniken oder beim Therapeuten wissen. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und da es ja Süchtige gibt, die nach einem Aufenthalt in einer Suchtklinik oder der Behandlung bei einer Therapeutin suchtfrei sind, nützt Therapie vielleicht ja eben doch.

Für medizinische und psychologische Therapien ist Sucht Symptom und diesem liegt eine Ursache zugrunde. Diese Ursache gilt es zu erkennen und zu behandeln - darin besteht (vereinfacht gesagt, denn Wechselwirkungen werden durchaus berücksichtigt) die gängige Suchttherapie.

Die AA gehen einen anderen Weg. Ihr 12-Schritte-Ansatz sucht nicht nach Ursachen für die Sucht. Gründe, warum jemand säuft oder fixt? Es sind genau sieben: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag. Schliesslich kann alles und jedes Anlass sein, um zur Flasche zu greifen.

Hans Durrer, 2010

Sonntag, 6. Februar 2011

Vom Glauben

"Sie müssen lernen zu glauben, Dr. Alfred. Wir sind der Überzeugung, dass der Glaube alles Leid lindert. Ohne Glauben gibt es keine Hoffnung und keine Liebe. Der Glaube kommt vor der Hoffnung und vor der Liebe."
"Ich bin nicht sehr religiös", sagte ich.
"Woher wollen Sie das wissen?", fragte der Scheich. "Sie haben noch nicht in sich hineingehorcht, und Sie haben sich diese Frage noch nie gestellt. Vielleicht wird eines Tages etwas geschehen, das Sie dazu veranlasst, sich diese Frage zu stellen. Sie werden staunen, welche Antwort Sie erwartet."

Paul Torday
Lachsfischen im Jemen

Mittwoch, 2. Februar 2011

Addiction Therapy

It can't be denied that there are psychologists, psychotherapists or psychiatrists who are knowledgeable when it comes to addiction therapy. They aren't so because of their recognised training, they are so despite their official accreditation.

As James Agee famously penned (in Let Ous Now Praise Famous Men)
"Official acceptance is the one unmistakable symptom that salvation is beaten again, and is the one surest sign of fatal misunderstanding, and is the kiss of Judas."

Sonntag, 30. Januar 2011

Suchttherapie

Wenn Psychologinnen (die männliche Form spare ich mir, Männer lesen eh nicht), Psychotherapeutinnen oder Psychiaterinnen etwas von Sucht verstehen, so tun sie dies trotz ihren staatlich anerkannten Kompetenzbescheinigungen (auch Diplome genannt) und nicht etwa wegen diesen.

Mittwoch, 26. Januar 2011

The Psychological Approach

You do not suffer from what you think, says the psychologist to the alcoholic, you suffer from what I have studied.

Sonntag, 23. Januar 2011

Twelve-Step Therapy

Traditional therapies understand addiction as a medical, psychological or social problem. And there is no doubt, it indeed is. Primarily, however, it is an existential/spiritual problem. For treatment to work, addiction needs to be seen not so much as a defect to be corrected but as a call for a fundamental re-orientation, an attitude change. In other words: addiction counselling requires not so much specialist knowledge but broad (and reflected upon) life experience, a thinking personality, a warm heart.

Hans Durrer: Twelve-Step Therapy

Mittwoch, 19. Januar 2011

Sucht ist Flucht

Wer einer Sucht verfallen ist, macht sich nicht auf die Suche, sondern begibt sich auf die Flucht, auf die Flucht in die Unwirklichkeit. Sucht kommt nicht von Suchen, wie so oft behauptet wird. Sucht kommt von "suht", Krankheit.

Jürgen Heckel
sich das Leben nehmen
Alkoholismus aus der Sicht eines Alkoholikers
A1 Verlag, München 2010

Sonntag, 16. Januar 2011

Die Drogen Lüge

Es sei gleich voraus geschickt: das ist ein notwendiges und nützliches Buch, dem man viele Leser wünscht, auch wenn es alles andere als gut geschrieben und streckenweise mühsam zu lesen ist. Ein Beispiel:

"... eine bemerkenswerte empirische Untersuchung, bei der Alasdair J.M. Forsyth von 1990 bis 1999 sämtliche durch Drogen verursachten Todesfälle und ihre Wahrnehmung in den Zeitungen verglichen hat. Von den 2255 Todesfällen in der toxikologischen Statistik wurden 265 auf das frei verkäufliche Schmerzmittel Paracetamol zurückgeführt. Doch die Redaktionen interessierte nicht, dass über zehn Prozent aller Drogentoten in Schottland einem frei verkäuflichen Schmerzmittel zum Opfer fielen: Nur ein Bericht dazu erschien. Zwölf Todesfälle durch Aspirin fanden gleich gar keine Erwähnung, und über 481 Todesfälle durch Diazepam (Valium) wurde zehnmal berichtet. Dagegen kamen auf 36 Todesfälle durch Amphetamine 13 Zeitungsberichte, und über die 28 auf MDMA ("Ecstasy") zurückgeführten Todesfälle erschienen 26 Artikel. Das heisst: Fast jeder einzelne Fall, bei dem die verbotene "Partydroge" als mögliche Todesursache diagnostiziert wurde, war in den Medien präsent, was ihre gefühlte Gefährlichkeit in der Öffentlichkeit zwar dramatisch erhöht, mit der Realität aber kaum etwas zu tun hat."

Man stöhnt auf und denkt: wo blieb da bloss das Lektorat?

Trotzdem: wer sich durch diese zähe Lektüre hindurch beisst, lernt einiges dazu, denn der Autor hat eine Unmenge erhellender Quellen zusammengetragen und zeigt überdies überzeugend auf, wie Politik, Mafia und Lobbyisten vom gesetztlichen Drogenverbot profitieren. Er tut aber noch mehr, er liefert Informationen, von denen man in den Mainstream Medien nie was liest oder hört.

Wussten Sie zum Beispiel, dass die spanische Regierung im Herbst 2008 an Drogenhändler und Geldwäscher appellierte und ihnen Straffreiheit zusicherte, "wenn sie ihre Barreserven bei den Banken einzahlten, um so die Liquiditätsengpässe der Finanzmärkte zu entspannen."?

Oder wussten Sie, dass Amerika mit fünf Prozent der Weltbevölkerung, 25 Prozent der bekannten Welt-Gefängnisbevölkerung aufweist?

Oder welche Faktoren "den Krieg gegen die Drogen und den Gefängnis-Industriellen Komplex zu einem hochprofitablen Geschäft machen"?
In den Worten von Mathias Bröckers: "ein nicht abreissender Zustrom von Drogen, dessen klandestine Kanäle auf höchster Ebene gedeckt werden (damals das Kokain der Contra-Terroristen, heute das Heroin der Warlords Afghanistans); Grosskonzerne und Banken, die in die Schmuggelgeschäfte und Geldwäsche verwickelt sind (wie RJR Nabisco und mindestens ein halbes Dutzend Grossbanken); ihnen verpflichtete Politiker und Präsidenten, die einerseits Ermittlungen verhindern (die EU-Klage wurde von US-Gerichten 2004 abgewiesen!) und andererseits mit verschärften Drogengesetzen Law-and-Order-Profil zeigen, was wiederum neue Massen von 'Kriminellen' und einen Boom der privaten Gefängnisindustrie produziert. There's no business like drug business."

Mathias Bröckers
Die Drogen Lüge
Westend Verlag, Frankfurt/Main 2010

Mittwoch, 12. Januar 2011

Crack & Kokain

Nach (amerikanischem) Bundesgesetz stehen auf den Besitz von fünf Gramm Crack fünf Jahre Haft ohne die Möglichkeit einer Bewährung, bei Kokain müssen es für diesselbe Strafe 500 Gramm sein. Der weissen Mittelklasse, die eher Kokainpulver benutzt, wird also hundertmal so viel zugestanden wie der Unterklasse von meist Schwarzen und Latinos, die das mit Natron zu Crack aufgebackene "Kokain für Arme" konsumieren.

Mathias Bröckers
Die Drogen Lüge
Westend Verlag, Frankfurt am Main 2010

Sonntag, 9. Januar 2011

Drogenforschung

Die Aussicht, durch die Erforschung der Drogen
zu einem Verständnis der Drogensucht zu kommen,
ist ungefähr so gross wie die Aussicht,
die Bedeutung von Weihwasser
durch die Forschung von Wasser zu begreifen.

Thomas Szasz

Ralf Schneider
Die Suchtfibel
Schneider Verlag Hohengehren, 2009
14. überarbeitete und erweiterte Auflage

Mittwoch, 5. Januar 2011

Temperance versus Disease Model (2)

Contrary to the Temperance Model that demonises the drug, the Disease Model attempts to de-demonise it (which, by the way, also pleases the drug producers). Labelling addiction a disease indicates that medical treatment is the intervention of choice and thus provides the medical profession with another welcome source of income. However, many treatment interventions are based on a rather broad dis-ease concept and operate totally independent of the treatment provided by medical professionals.

Hans Durrer, 2009

Sonntag, 2. Januar 2011

Temperance versus Disease Model

Despite their overlaps the Temperance Model and the Disease Model are characterised by a fundamentally different attitude. While the Temperance Model sees the drug as the problem, the focus of the Disease Model is the addict. While the former demonises the drug, the latter attempts to de-demonise it. The solution that the Disease Model offers is aimed at the individual (treatment), the Temperance Model however favours social and legal interventions. Both models, insofar as their success can be measured, do not seem to be very effective.

Hans Durrer, 2009